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Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste (Susan Sontag)

Digitalisierung ist kein Projekt, sondern ein permanenter und weitgehend agiler Prozess.

Die Entwicklung ganzheitlicher Ansätze für das intelligente Asset Management unserer Verkehrsinfrastruktur ist eine Aufgabe, die den ständigen Austausch mit Fachkollegen, den intensiven Kontakt mit Partnern (Lösungen) und Kunden (Anforderungen) sowie die ständige Erweiterung des Horizontes erfordert.

Also habe ich wieder auf den Weg gemacht… erlebnisreiche Tage waren das! Schon hier danke ich allen Menschen, die ich traf, für die interessanten Gespräche.

Ganzheitlich heißt immer auch die ganze Breite erkennen, und so war alles dabei: Bauen, Straße, Luftfahrt, Schiene, ÖPNV, Verkehrsmanagement, Startups und Digitalisierung in der Industrie. Aber der Reihe nach…

Messebesuch auf der „Bau 2023“ in München

Mitte April öffnete die Bau 2023 ihre Tore in München… 19 Hallen… zu viel, also habe ich 5 ausgewählt. Gleich zu Beginn hochinteressante Gespräche über Bauen im Bestand, neueste Forschungen und Austausch mit Verbänden für Nachhaltigen Bauen und Bausoftware. Besonders interessant waren die Entwicklungen im Bereich BIM Software, aber auch die Ausrichtung auf Nachhaltigkeitsthemen wie umweltbewusstes Bauen, neue Materialien, Gebäudesanierung, Gebäudeautomation, Solartechnik waren hoch interessant. Viessmann war auch da, aber da ahnte noch niemand…

Reger Betrieb auf der BAU 2023 - sowohl bei Digitalthemen
... als auch beim Werkzeug

Und dann lief ich zufällig in die Halle C6 – ohrenbetäubender Lärm! Wo war ich? In der Halle für  Bauwerkzeuge durften sich die Messebesucher austoben und selbst werkeln. Da wurde Hand angelegt, gesägt, geflext, gebohrt. Workout im wahrsten Wortsinn! Und ein guter Abschluss.

Was bleibt?

Die BIM-Softwarelösungen rücken näher zusammen. In wenigen Jahren wird das alles „Standard“ sein. Künftig werden die Unterschiede in der Usability zu suchen sein (intuitive, lernende Systeme, vielleicht berührungslose und sprachgesteuerte Bedienung, Hologramme, Animationen etc.).

Und auch das Thema „Nutzung von BIM in der Betriebsphase“ muss bald gelöst werden.

Das HOLM in Frankfurt –
“Cluster-Brunch” und “Startup meets ÖPNV”

Beim HOLM gibt es die ganze Vielfalt der Mobilität zu entdecken. Am 25. April hatte das HOLM zu Brunch und Bildung der drei Cluster Aviation, Logistic und Mobility eingeladen: Markteinblicke der IATA in die Luftfahrt und die Corona-Auswirkungen auf die Branche, Vergleiche zu anderen Verkehrsträgern, danach intelligente Logistikkonzepte im hart umkämpften Liefermarkt und IT-Lösungen für die letzte Meile, und zum Abschluss die klimaneutrale Erzeugung von Biokraftstoffen für all die Verkehrsträger, die auch in naher Zukunft nicht elektrisch angetrieben werden können – Luft- und Schifffahrt sowie Teile des Schwerverkehrs.

Miteinander der Gegensätze im HOLM - erst Luftfahrt...
... dann ÖPNV!

Am Nachmittag dann Startup’s im Umfeld des öffentlichen Nahverkehrs: Software für die Nahverkehrsplanung, smarte Möbel für den öffentlichen Raum (inkl. Solarmodul, Hotspot und Fahrradladestation), und ein mobiles Informations- und Leitsystem für barrierefreie Mobilität sensitiv eingeschränkter Menschen im öffentlichen Raum.

Runde Sache – Essen und Trinken wie immer auch gut! Danke!

Was bleibt?

Das House of Logistic and Mobility positioniert sich verkehrsträgerübergreifend. Die Anzahl smarter Lösungen für viele Aufgabenstellungen nimmt täglich zu, was zu einer weiteren Fragmentierung führt. Es kommt nun darauf an, aus dieser Inselwelt eine zusammenhängende Datenlandschaft zu erzeugen. Das gelingt über eine Vernetzung und Modellierung der Objektdaten aller Verkehrsträger. Auf dieser Grundlage lassen sich dann skalierbare Anwendungen besser ausrollen und neue Geschäftsmodelle in der Fläche etablieren. Open Data muss hier seine Stärken und Vorteile erst entwickeln! Es hilft, ganzheitlich zu denken!

FGSV-Konferenz „Verkehrsmanagement“ in Koblenz

Am 26. April hatte die FGSV zum zweitägigen Kolloquium Intelligentes Verkehrsmanagement in Koblenz eingeladen. Für mich als Infrastruktur-Spezialisten dennoch ein Muss. Wir benötigen die Verkehrsmodelle und -daten für die Prognostizierung von Zustandsentwicklungen für die Infrastruktur. Und die Verkehrsmanager brauchen eine funktionierende Infrastruktur, damit Mobilität wieder Fahrt aufnehmen kann. Der Austausch war daher spannend und lehrreich.

Rhein-Mosel-Halle in Koblenz mit Blick auf den Rhein

Highlight dieser Veranstaltung war der Mix aus Betreibern und Lösungsanbietern. Die vorgestellten Lösungen machen Lust auf mehr.

Die Nutzung von Standards ist sicher der richtige Weg, doch die Komplexität der gezeigten Lösungen stellt die Frage nach der Resilienz von Hard- und Software gegen Änderungen von Teilsystemen, Schnittstellen, etc. Bei der Bereitstellung von Infrastrukturdaten ist ebenfalls Luft nach oben – die Betreiber sollten diese Lücke schnell schließen.

Was bleibt?

Verkehrsmanagement hat bei der Digitalisierung gegenüber der Infrastruktur eindeutig die Nase vorn. Eine Herausforderung ist allerdings auch hier der Bestand. Die Bestandsflotten können die digitalen Angebote nicht verarbeiten, was vermutlich noch Jahrzehnte zu hybriden Verkehrsströmen führen wird. Bei den Infrastrukturbetreibern stellt ebenfalls der Digitalisierung des Bestandes und die Herausforderung dar!

„Digitale Pioniere“ kennenlernen im HUB 31 in Darmstadt

Nach dem Kolloquium ging es zurück nach Darmstadt. Im HUB 31 trafen sich Digitalunternehmer aus der Region zum Austausch.

Themenblöcke waren die digitale Datenverwaltung, der Einsatz von AR und VR, die Möglichkeiten des Metaverse in der digitalen Arbeitsorganisation sowie der Einsatz von Sensoren zur Verbesserung der Qualität der Produkte und der Betriebssicherheit der Anlagen.

Hier werden die Stärken der Digitalisierung gelebt! Toller Austausch. Dank an die IHK Darmstadt!

Blick über den Tellerrand - Austausch mit Digitalunternehmern

Was bleibt?

Digitalisierung ist in vielen Unternehmen längst Alltag – die Verkehrsinfrastruktur hat viel aufzuholen! Der politische Wille allein wird nicht reichen! Wegen des Fachkräftemangels im Bauwesen ist sicher die Einbindung externer Partner aus Forschung, Beratung und IT notwendig und sinnvoll. Vor allem aber braucht es den Mut der Betreiber, die vorhandenen Strategien mit Leben zu erfüllen. Standardlösungen (es gibt sie) und agile Projekte liefern schnell zukunftsfähige und skalierbare Ergebnisse!

Autor
Jens Kühne

Jens Kühne Kühne Mobilität digitale Lösungen für Verkehrskonzepte
„Das Ganze denken und es dann in beherrsch­baren Schritten ziel­führend und nachhaltig umsetzen.“

Kontakt

Jens Kühne
Kühne Digital

T.  +49 172 6424695
M. jens@kuehne-digital.de

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