Die Salzbachtalbrücke – Prüfstein für die Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur
Die 304 m lange Autobahnbrücke im Zuge der A 66 bei Wiesbaden wird voraussichtlich am Mittag des 06.11.21 gesprengt. Am 27.10. besichtigte ich mit Clarissa Rapps (Wölfel Engineering, verantwortlich für Konzept und Planung der Sprengung) sowie zwei Mitarbeitern der DEGES die Brücke und die Sprengvorbereitungen.
Das spontane Versagen eines Rollenlagers führte im Juni 2021 zum plötzlichen Absturz der Fahrbahn um gut 30 cm auf den Pfeiler (Bild unten). Beim Aufprall riss der Pfeiler an mehreren Stellen und neigte sich. Die zu dieser Zeit hohen Außentemperaturen könnten der Auslöser gewesen sein.
Erneut wird nun über die Sicherheit unserer Brücken diskutiert, aber auch die wirtschaftlichen Schäden und Folgekosten aufgrund von Staus und Umleitungen sind immens.
Die Vorteile des Sprengabbruchs
Der Sprengabbruch hat gegenüber dem klassischen Rückbau einen großen Vorteil. Es geht schnell! Gerade bei solchen Brennpunktbauwerken wie der Salzbachtalbrücke ist jeder Tag aus volkswirtschaftlicher Sicht bedeutsam.
Die vorbereitenden Arbeiten sind jedoch aufwendig. Erdwälle werden zu Fallbetten aufgeschoben und verdichtet, um den Aufprall der Brücke zu dämpfen sowie Gleisanlagen oder Rohrleitungssysteme zu schützen, Sprengmatten werden rund um das Bauwerk gehängt und Schutzwände errichtet, um Streuflug von abgesprengten Brückenteilen zu verhindern, und viele Löcher müssen gebohrt werden, um darin den Sprengstoff zu platzieren.
Im Zelt konnten wir die mit Sprengstoff gefüllten Schläuche und Zünder ansehen und mit Sprengexperten Konzept und Sprengplanung diskutieren. Draußen wurden die Löcher gefüllt und die Ladungen so verkabelt, dass am Sprengtag alle zur richtigen Zeit und in der richtigen Reihenfolge explodieren.
Das Konzept für eine Sprengung enthält die Art der Sprengung, Wahl und Platzierung des Sprengstoffs, Rückbau und gezielte Vorschädigung des Bauwerks, Art und Umfang von Schutzmaßnahmen, Sperr- und Geländesicherungsplanung, die Durchführung von Erschütterungsmessungen zur Beweissicherung, ein Abbruch- und Entsorgungskonzept und vieles mehr.
Und bei der Umsetzung aller Maßnahmen, so versichert uns der Sprengmeister – gilt immer das Vier-Augen-Prinzip.
Fazit des Besuches der Salzbachtalbrücke
Wir konnten uns davon überzeugen, dass alle Beteiligten mit Hochdruck die Sprengung vorbereiten. Dabei kommt neueste Technologie zum Einsatz, um die Sicherheit der umliegenden Anlagen zu gewährleisten und Sprengfehler wie bei der Sprengung der alten Lahntalbrücke zu vermeiden (hier war seinerzeit bei der Sprengung ein Pfeiler stehen geblieben, weil ein Zündkabel gerissen war).
Insgesamt ein lehrreicher und interessanter Nachmittag – mit einem Wehrmutstropfen. Ein Plattfuß am Auto hielt mich bis in die Abendstunden auf der Baustelle fest. Auch solche Kleinigkeiten können die Mobilität erheblich einschränken.