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Digitales Infrastrukturmanagement für Brücken – Objektregister, Digitaler Zwilling, Smart City

Viele Kommunen haben schon geförderte Smart City Projekte umgesetzt. Das war politisch gewollt, doch entstanden bundesweit tausende autarke Insellösungen. Wesentliche kommunale Verpflichtungen hingegen liegen seit Jahren brach, da sie nicht gefördert werden. Dazu gehört auch die Erhaltung der maroden Brücken. Einen guten Überblick zum Status gibt das Gutachten des Rechnungshofes Rheinland-Pfalz nach § 111 Abs. 1 LHO zu „Erhaltung und Zustand von Brücken in kommunaler Baulast“ von Oktober 2021.

Insgesamt befindet sich demnach jede fünfte kommunale Brücke oder fast ein Drittel der Brückenfläche in einem kritischen Zustand (Note 3 und schlechter). Noch überraschender ist, dass viele Kommunen den Zustand ihrer Brücken nicht einmal genau kennen und dokumentieren. Rund die Hälfte der Gemeinden hat für ihre Brücken noch kein Bauwerksverzeichnis erstellt. Zudem fehlten Brückenbücher bei rund 30 % und Brückenzustandsdaten bei rund 41 % der Gemeinden.
Einem durchschnittlichen Bedarf von 323 T€/Jahr steht aktuell ein Budget von nur 210 T€ gegenüber.

Etwa die Hälfte der Kommunen hat kein Bauwerksverzeichnis (RLP)

Digitale Zustandsdaten helfen Kommunen, die Lebensdauer ihrer Brücken zu verlängern!

Nur rund zwei Drittel der Gemeinden führten Brückenprüfungen nach dem Standardregelwerk DIN 1076 durch, jedoch in vielen Fällen nicht an allen Brücken. 18 % der Kommunen führten Brückenprüfungen nur bei Bedarf oder gar nicht durch.

Die inkonsistente und lückenhafte Datenlage (Zustand, Prognose, Restlebensdauer) führt zu Sicherheitslücken, Fehlnutzung, Nichterreichen der realen Lebensdauer und Fehlinvestitionen. Hinzu kommen erhebliche (auch persönliche) Haftungsrisiken. Der Schutz der Haftpflichtversicherung kann schon bei Fahrlässigkeit entfallen, und bei zu spät erkannten Schäden besteht ein erhöhtes Haftungsrisiko für die Amtsträger!

Die unbefriedigende Situation um die Novellierung der DIN 1076 dürfte die Kommunen nicht gerade motiviert haben, Brückenzustandsdaten zu erheben. Dennoch wurden Verbesserungen insbesondere bei der Datenhaltung, den Brückenprüfungen und bei der Erhaltungsplanung erzielt. Erheblicher Nachholbedarf besteht vor allem bei der Bestandserfassung, der Zustandsauswertung (aktuell machen das nur  50 %) sowie einem systematischen Erhaltungsmanagement (aktuell nur 13 %).

Datenlage bei Kommunen in RLP

Neben den Prüfungen (über 40 % kennen den Sanierungsbedarf ihrer Ingenieurbauwerke nicht) sollen auch Schadensausbreitung, Restnutzungsdauer (Prognose) sowie Sanierungspläne und Budgets (Erhaltungsmanagement) ermittelt werden. Im Zuge des Katastrophenschutzes sollen in den Planungen Konzepte für Extremwetterereignisse berücksichtigt werden.

Die Novelle der DIN 1076 muss auch ein klares Signal für ein digitales Erhaltungsmanagement bei Brücken setzen!

Die Kritik der Kommunen an der Komplexität der DIN 1076 ist nachvollziehbar. Die DIN 1076 wird derzeit überarbeitet. Vereinfachte Prüfungen in Abhängigkeit von der Bauwerksgröße, dem Bauwerksalter, dem statischen System und der Verkehrsfunktion (z. B. Fuß- und Radwegebrücken) werden geprüft.

Trotz der auf den ersten Blick ausweglosen Situation können betroffene Gemeinden mit wenig Geld viel für Sicherheit und Verfügbarkeit ihrer Brücken tun.

Digitale Plattformlösungen mit Kleinlizenzen (ab 5 Bauwerke) helfen beim schnellen Aufbau. So lassen sich Objektverzeichnisse erstellen, Bestandsunterlagen und Modelle zuordnen sowie Zustände regelmäßig und normkonform dokumentieren. Die Integration von am Markt verfügbaren Prognosetools ermöglicht außerdem die Priorisierung und Planung von Erhaltungsmaßnahmen über längere Zeiträume. Es entstehen einfache Digitale Zwillinge, deren Reifegrad sich durch weitere Anreicherung von Informationen stetig verbessern wird.

Der schlechte Gesamtzustand der Brücken erfordert eine klare Priorisierung. Prädiktive Ansätze werden daher noch ein paar Jahre auf sich warten lassen. Es sollten jedoch Strategien entwickelt werden, wie mit Hilfe von Bauwerksmonitoring über den gesamten Lebenszyklus erhaltungsrelevante Daten  erhoben werden können. Als Beispiel sei hier die Nullmessung (Geburtszertifikat) genannt, die die Dokumentation des Bauwerksverhaltens im Neubauzustand beinhaltet.

Messkampagnen im Zuge der Nachrechnung von Brücken verbessern die Aussagekraft der Prognosen und ermöglichen ggf. einen sicheren Weiterbetrieb der Bauwerke.

Bei allen Bemühungen zur Digitalisierung der Brückenbestände greifen wir auf am Markt verfügbare Lösungen zurück. Auch Betreibermodelle (PPP) für kommunale Brücken können die Kommunen entlasten und erlauben eine langfristig kalkulierbare Haushaltsplanung (für den Ingenieurbau).

Forschungsansätze spielen keine Rolle. Es wird viel über Digitale Zwillinge und den Einsatz von KI gesprochen. In der aktuellen Situation sollten wir gemeinsam versuchen, eine transparente Sicht auf den Zustand der deutschen Brückenbestände zu bekommen.

Warten Sie also nicht, lassen sie uns beginnen!

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Autor
Jens Kühne

Jens Kühne Kühne Mobilität digitale Lösungen für Verkehrskonzepte
„Das Ganze denken und es dann in beherrsch­baren Schritten ziel­führend und nachhaltig umsetzen.“

Kontakt

Jens Kühne
Kühne Digital

T.  +49 172 6424695
M. jens@kuehne-digital.de

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