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Digitaler Zwilling für den Bestand – ganzheitlich und schnell!

Für uns stellt der Digitale Zwilling ein ganzheitliches Konzept für kollaboratives Arbeiten mit vernetzten Daten dar. Nach unserer Vorstellung ist er daher ein regionen- und verkehrsträgerübergreifendes, skalierbares Modell, das auf Bauwerks- und Netzebene zu jeder Zeit Schnittmengen, realitätsnahe Analysen und verbindliche Entscheidungen in allen technischen und kaufmännischen Prozessen über den gesamten Lebenszyklus ermöglicht.

Die Komplexität liegt in der Vernetzung inhomogener Datenbestände. Ursächlich dafür ist die lange Lebensdauer unserer Bauwerke. Die Mehrheit der Brücken wurde vor der Erfindung des PC’s konstruiert und errichtet. Die älteste noch befahrene Eisenbahnbrücke hat sogar die Deutsche Revolution im Jahre 1848 und drei Kaiser miterlebt. Digitale Daten – Fehlanzeige!

Die Göltzschtalbrücke (Baubeginn 1846) ist nicht ganz die älteste Brücke im deutschen Verkehrsnetz - aber eine der schönsten!

Der hohe Anteil an Papier, analogen Daten und verschiedensten digitalen Datenformaten hat im Zuge der Digitalisierung Auswirkungen auf die Komplexität der Datenmodelle von Digitalen Zwillingen, soll aber ihre Umsetzung keinesfalls bremsen, sondern unbedingt beschleunigen! Wir können nicht warten, bis wir fast 200 Jahre Bauwerksbestand in BIM-Modelle gepresst haben – doch die Methoden der Vernetzung und Kollaboration sind übertragbar!

Digitalisierung kommt nun in der Infrastruktur an – Standardsoftware macht noch schneller!

BIM ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch löst die Methode bisher nur wenige unserer Probleme in der Bestandsbewirtschaftung. Durch Anreicherung von texturierten Punktwolken mit Strukturinformationen lassen sich beispielsweise Digitale Zwillinge von Brücken heute „nachbauen“. Wir sollten dieses Instrument nutzen, wo es notwendig und wirtschaftlich ist und Asset Management Prozesse unterstützt.

Das Projekt „Digitaler Zwilling“ des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG) ist eine Abbildung Deutschlands in 3D, also eine Riesenpunktwolke, doch einen Mehrwert für die Infrastrukturbewirtschaftung bietet ein Oberflächenmodell nicht!

Ein guter Digitaler Zwilling erfüllt aus unserer Sicht folgende Voraussetzungen:

  • Vernetztes und formatunabhängiges Datenmodell
  • konsistente und eindeutige Daten (single source of truth, IT-Connectoren)
  • beinhaltet alle Assetklassen, alle Assets, Equipments, Materialien (natürlich inklusive BIM)
  • verknüpft technischer Objekte mit Prozessdaten und kaufmännischen Inhalten (end-to-end)
  • schafft die durchgängige Abbildung der Historie (alle jeweils vorhandenen Daten unabhängig von Baujahr und Vollständigkeit)
  • enthält Objektzwilling (für das Asset Management) und Netzzwilling (für Verkehrs- und Netzmanagement)
  • ermöglicht selektive und usecase-bezogene Sichten für alle Prozessteilnehmer (Kollaboration)
  • Reporting für alle Entscheidungsebenen
  • Aktuelle Prozessdaten in nahezu Echtzeit, jederzeit, überall (Rechteverwaltung)
  • schnittstellenarme Einbindung von Fachanwendungen
  • grafik- und kartenbasiertes Arbeiten (Usability)
Der Digitale Zwilling für den gesamten Lebenszyklus

SAP hat aufgrund des eigenen Datenmodells, fertiger Softwarelösungen und hoher Marktabdeckung beste Voraussetzungen, diese Anforderungen schnell und umfassend zu erfüllen. Unsere im Bauwesen üblichen Formatstandards OKSTRA und ASB-ING lassen sich ebenso in SAP übersetzen wie BIM-Modelle. So lassen sich zum Beispiel Brücken hierarchisch in Ihre Bestandteile auflösen, mit Zustandsdaten und Prognosen verknüpfen, mit Maßnahmen beplanen oder mit Kosten bebuchen.

Durch Einbindung von GIS-Kartendiensten kann das Straßennetz kartenbasiert abgebildet werden. Darin können Meldungen erfasst und Maßnahmen bis hin zur objekt- und projektbezogenen Rückmeldung von Arbeitszeiten und Lieferantenrechnungen umgesetzt werden. Über IoT Services lassen sich Sensor- und Bilddaten oder Punktwolken einbinden, es gibt ein nutzerorientiertes Dokumentenmanagement. Auf Knopfdruck sind Objekt- oder Netzanalysen möglich.

Da SAP Standardsoftware einsetzt, ist nach regelbasierter und qualitätsgeprüfter Datenintegration eine schnelle Analyse und Nutzung der Daten in den Prozessen möglich. Und das Beste daran ist, dass die meisten Infrastrukturbetreiber SAP bereits in den kaufmännischen Bereichen nutzen (ERP).

Wir brauchen digitale Lösungen, die ganzheitlich konzipiert und getestet, aber dann schnell auf den gesamten Bestand skaliert werden können. Das entlastet die Infrastruktur, die Nutzer, die Mitarbeiter –  und die Natur!

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Autor
Jens Kühne

Jens Kühne Kühne Mobilität digitale Lösungen für Verkehrskonzepte
„Das Ganze denken und es dann in beherrsch­baren Schritten ziel­führend und nachhaltig umsetzen.“

Kontakt

Jens Kühne
Kühne Digital

T.  +49 172 6424695
M. jens@kuehne-digital.de

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