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Deutschland – fehlender Mut zur Digitalen Transformation – was ist dran und was können WIR tun?

Samstag beim Bäcker: Der Tenor ist: Das Land ist am Ende – Politikverdrossenheit, Bürokratie, Rezession, Kontrollverlust bei der Migration… Eine äußerst gut gelaunte Frau antwortet – auf den Grund ihrer guten Laune angesprochen: „Deutschland ist doch wunderschön, wenn man nur die Nachrichtensendungen meidet.“

Ist wirklich alles nur herbeigeredet? Zahlen und Fakten sprechen eine andere Sprache, und dann ist da eben noch dieses Gefühl, dass Dinge schiefgehen in diesem wunderschönen Land.

Und DAS hat viel mit Digitalisierung zu tun!

Digitale Verwaltung – massiver Rückstand Deutschlands in Europa

Der „Tagesspiegel Background Digitalisierung“ stellte in seiner Ausgabe vom 14.07. eine bemerkenswerte Studie von Boston Consulting (BCG) vor:

Deutschland hat in Sachen „Digitale Verwaltung“ international weiter Boden verloren und wird die gesteckten Digitalisierungsziele nicht erreichen!

Die Ursachen offenbaren das Henne-Ei-Problem. Die Verwaltungen digitalisieren langsam und zu wenig nutzenorientiert. Die Bürger nutzen digitale Leistungen weniger, weil sie die als zu komplex und intransparent empfinden. Für die Verwaltungen ein willkommener Grund, weniger zu digitalisieren.
Sie führen außerdem an, dass sie zwei Prozesse aufrechterhalten müssten – einen digitalen und einen herkömmlichen. Dem steht gegenüber, dass nur die Hälfte der Bürger digitale Behördendienste als nutzerfreundlich empfindet.

Dabei gibt es so coole, DSGVO-konforme und selbsterklärende (nocode)-Tools. Einfache, modulare Werkzeugkästen, die es erlauben, priorisiert Basisprozesse umzusetzen und gemeinsam daran zu lernen, um dann schrittweise digitaler werden. Fragen Sie mal nach, wir können weiterhelfen.

Immer noch ungeschlagene Sinnbilder behördlichen Handelns

In derselben Ausgabe kündigt Siemens Vorstandschef Busch Milliardeninvestitionen in Deutschland an: „Wir investieren in Deutschland, weil wir daran glauben, dass Deutschland eine digitale Zukunft hat, dass wir dieses wirtschaftlich einzigartige Ökosystem gemeinsam auf die nächste Stufe heben können.“

Die richtige Einstellung kann Berge versetzen!

Der ökonomische Abstieg des Wirtschaftsstandortes Deutschland

Die Zahl der Selbstständigen ist auf dem niedrigsten Stand seit 26 Jahren, die Zahl der Beamten auf dem höchsten Stand seit 28 Jahren. Nando Sommerfeldt von WELT+ hat diese Zahlen in seinem Beitrag genannt. Immer mehr junge Menschen streben einen Job im Staatsdienst an.

Diese Entwicklung verändert die Dynamik unserer Marktwirtschaft – kein gutes Zeichen in Zeiten der weltweit schnell fortschreitenden Digitalen Transformation.

Politik soll Straßen frei machen, nicht den Verkehr regeln

Auch jetzt am Wochenende: Nach Informationen des Verbandes „Der Mittelstand BVMW“ zwingt die Preisentwicklung rund 40 Prozent der Unternehmen dazu, Investitionen in die grüne und digitale Transformation zurückzustellen. Jeder vierte Mittelständler denkt über eine Produktionsverlagerung ins Ausland nach. Als Gründe werden Bürokratie, Energiekosten und Fachkräftemangel genannt. Standortalternativen sind nicht die üblichen Verdächtigen, sondern durchaus Hochpreisländer wie Schweden und die Schweiz. Manche sprechen vom Regulierungsinfarkt, wenn marktwirtschaftliche Prinzipien außer Kraft gesetzt werden. Wer will noch unternehmerische Risiken tragen, wenn der Staat Preise, Investitionen und Innovationstempo bestimmt.

Vor einiger Zeit sagte in einer Gesprächsrunde mit Startup’s ein (vom Staat geförderter) Gründer, „großen IT-Unternehmen dürfe man keine Aufträge mehr geben, das seien kapitalistische Unternehmen. Er hoffe, weiter Förderung vom Staat zu bekommen.“ Sagte es, holte sich seinen kostenlosen Kaffee und setzte sich an seinen PC mit kostenlosem Internet im mietreduzierten Gründerzentrum. Vermutlich leider kein Einzelfall…

Wir fördern zu viel und erwarten zu wenig! Auch Work-Life-Balance ist langfristig darauf angewiesen, dass die Ausgaben für „Life“ die „Einnahmen“ für Work nicht übersteigen.

Mit der falschen Einstellung bewegt man nichts!

Der öffentliche Sektor setzt auf staatliche Förderung und Forschung, die Innovationskraft des Marktes verpufft

Ich selbst bin Freiberufler und unterstütze Politik und Betreiber bei der Digitalisierung von Assets, Infrastruktur und Behörden-Prozessen. Wenn nach einem Erstgespräch die Aufgabenstellung klar und der Lösungsansatz skizziert sind, wird immer die Frage nach Fördermitteln gestellt. Da die öffentlichen Unternehmen selbst kein Personal haben, um die zeitraubenden Antragsprozesse für die Gelder abzuwickeln, müssen Digitalunternehmer ihre Bezahlung für öffentliche Aufträge heute selbst organisieren.

Ich habe viele IT-Partner, die mich unterstützen wollen – App’s programmieren, Papierdaten digitalisieren, Prozesse automatisieren. Sie berichten, dass sie ihre Mitarbeiter nicht beschäftigen können, weil die Verwaltungen Aufträge an Forschungs- oder Fördermittel knüpfen. Entscheidend aus Sicht der Behörden ist dabei, dass die knappen eigenen Mittel nicht eingesetzt werden müssen.
Ich habe selbst erlebt, dass von 27 eingegangenen Anträgen wegen fehlender Mittel nur drei bewilligt werden konnten. Man muss also 10 Anträge einreichen, um einmal erfolgreich zu sein?

Das führt zu Zeitverschwendung für Anträge, Verwaltung und Dokumentation – also dem Gegenteil davon, was wir mit der Digitalisierung erreichen wollen.

Politik soll Rahmenbedingungen schaffen, nicht die Umsetzung eigener Ziele mit Steuergeldern subventionieren. Der gern benutzte Begriff der Anschubfinanzierung ist irreführend. Wir haben so viele Baustellen (Mobilität, Gesundheitswesen, Bildung, Integration, Digitalisierung), dass Anschub überall nötig wäre. Der beste Weg zur Zielerreichung sind Aufträge für Wirtschaft und Dienstleister.

Gute Entscheidungen sind auch Einstellungssache!

Schnelle Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen kann dem Standort Deutschland helfen!

Die technischen Lösungen sind da! Es muss nun darum gehen, schnell Projekte mit Effizienzgewinn für die Verwaltung und Mehrwert für die Bürger umzusetzen.

Endlich Digitalisierung machen (lassen)!

5 Punkte für eine erfolgreiche Digitalisierung im öffentlichen Sektor:

  1. Technologische Infrastruktur aufbauen: Eine erfolgreiche Digitalisierung der Verwaltung erfordert eine solide technologische Infrastruktur. Es ist wichtig (Hard- und Software, Backend bis Frontend)
  2. Nutzerorientierte Dienstleistungen entwickeln: Bürger und Unternehmen sollten in der Lage sein, Behördengänge und administrative Aufgaben einfach online zu erledigen.
  3. Datenschutz und IT-Sicherheit gewährleisten: Dieser Punkt umfasst den Schutz sensibler Daten und die Gewährleistung der IT-Sicherheit. (Umsetzung der Datenschutzrichtlinien, Vermeidung von Datenlecks, Vereitelung von Cyberangriffen, regelmäßige Aktualisierung der Sicherheitssysteme).
  4. Interne Prozesse optimieren: Der Einsatz von digitalen Workflows, automatisierten Genehmigungsprozessen auf Basis digitaler Datengrundlagen und elektronischer Dokumentenmanagementsysteme führt zu effizienteren Abläufen und ermöglicht den Mitarbeitern, sich auf wertschöpfende Aufgaben zu konzentrieren.
  5. Zusammenarbeit und Vernetzung fördern: Digitale Systeme fördern eine enge Zusammenarbeit und Vernetzung sowohl innerhalb der Verwaltung als auch mit externen Partnern (z.B. Kollaborationsplattformen, Echtzeit-Tools oder virtuelle Projekträume für Planfeststellungsverfahren).

Wir reden mit Ihnen über modulare Konzepte, preisgekrönte Lösungen und einen auf ihr Unternehmen abgestimmten Maßnahmenplan! Wir setzen das gemeinsam mit Ihnen um – und hoffen, dass die Stimmung beim Bäcker und im ganzen Land bald besser wird.

Autor
Jens Kühne

Jens Kühne Kühne Mobilität digitale Lösungen für Verkehrskonzepte
„Das Ganze denken und es dann in beherrsch­baren Schritten ziel­führend und nachhaltig umsetzen.“

Kontakt

Jens Kühne
Kühne Digital

T.  +49 172 6424695
M. jens@kuehne-digital.de

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